Laquelle se passe ailleurs zeigt szenische Gedichte aus einer anderen Welt. Die Gesetze, die dieses Universum regieren, unterscheiden sich von unseren. Die Torsionen, die der Schriftsteller Dominique Quélen der Realität und der Sprache verleiht, spiegeln sich in allen Elementen eines Systems mit einer eigenen Logik, einer eigenen künstlerischen Grammatik und eigenen physikalischen und chemischen Gesetzen wider. Seltsame Anakolute werden mit äußerster Natürlichkeit ausgesprochen. Die Stimmen der Darsteller werden durch die Elektronik unrealistisch transformiert. Man trinkt jeden Morgen seinen Telefonbecher. Unsichtbare Wände diktieren bestimmte Bewegungen. Manchmal geheimnisvoll, manchmal humorvoll, manchmal quietschend, zeichnet diese andere Welt ein auf den Kopf gestelltes Porträt unserer sich wandelnden Zeit.

Auf der Bühne: fünf Darstellerinnen und Darsteller aus verschiedenen künstlerischen Disziplinen (Schauspiel, Tanz, Performance, Perkussion, Gesang), die durch Ircam-Technologien miteinander verbunden sind, ohne jegliches Musikinstrument außer ihren Körpern, Stimmen, Objekten und verschiedenen Medien. Das Komponieren für die Bühne ist das Ergebnis kreativer Prozesse, die die Praktiken der verschiedenen künstlerischen Disziplinen miteinander verflechten: laut vorgetragene Gedichtpartitur, visuelle Rhythmen, die allein durch die Bewegungen vorgetragen werden, Atemmusik für die Tänzer*innen, technologisches Dispositiv, das die Objekte der Szenographie zum Klingen bringt… Das Projekt strebt eine maximale Hybridisierung der verschiedenen Praktiken an.  Jeder macht alles auf seine Weise. Die gegenseitige Bereicherung zwischen Darsteller*innen aus verschiedenen Disziplinen ist Teil des Arbeitsprozesses. Hybridität ist ein künstlerisches Erfordernis, das sowohl in den einzelnen Teilen der Performers als auch in ihrer Interaktion innerhalb der Gruppe Gestalt annimmt.

Besetzung

  • Komposition, Regie, Computermusik: Mathieu Corajod
  • Performer & Schlagzeuger: Stanislas Pili
  • Performerin & Sängerin: Chloé Bieri
  • Performer & Tänzer: Pierre Lison
  • Performerin & Tänzerin: Marie Albert
  • Performer & Schauspieler: Antonin Noël
  • Librettist: Dominique Quélen
  • Regard extérieur : Georges Aperghis
  • Produktion und Administration: Anna Ladeira, Mathias Ecoeur – Le Voisin
  • Ausführender Produzent: Compagnie Mixt Forma
  • Koproduktion: Ircam Paris

Biographien

Mathieu Corajod

(Schweiz/Frankreich, 1989) ist ein Komponist und Regisseur, der in den Bereichen Instrumental-, Vokal- und elektronische Musik, Neues Musiktheater und interdisziplinäre Projekte arbeitet. Neben seinen musikalischen Werken, die u.a. von den Ensembles Adapter, Interface, Makrokosmos oder Soyuz21 uraufgeführt worden sind, hat er auch zahlreiche „Théâtre musical“ Stücke geschrieben und inszeniert, wie seinen Musiktheaterabend Scriptions oder die Performance für zwei Tänzer und Elektronik Ça va bien avec comment tu vis. Mathieu Corajod studierte von 2010 bis 2015 Komposition bei Xavier Dayer an der Hochschule der Künste Bern – HKB. Danach arbeitete er in dieser Institution im Rahmen des Studiengangs Master in Composition & Theory, während er an der Universität Bern Forschung und Musikwissenschaft studierte. Im Jahr 2018 trat er in das IRCAM «Cursus» ein und erhielt ein Stipendium der Fondation Nicati-de Luze. Gegenwärtig realisiert er seine Projekte im Rahmen von Residenzen (Cité des arts, ICST Zürich, Limoges,…), Kompositionsaufträge und eigene Produktionen.

Dominique Quélen

Geboren 1962 in Paris. Nach einer Dissertation über Italo Svevo unterrichtet er bis 2015 in Lille, danach widmet er sich öffentlichen Lesungen, Schreibwerkstätten und Residenzen. In den Büchern, die er in den letzten fünfzehn Jahren veröffentlicht hat, sind die Gedichte oft in Serien gegliedert und basieren auf formalen Zwängen. Darüber hinaus gibt es einen kurzen Essay über Helene Reimann, Übersetzungen von Cid Corman und regelmäßige Zusammenarbeit mit Komponist*innen (Aurélien Dumont, Misato Mochizuki, Gérard Pesson, Loïc Guénin, Mathieu Corajod…).

Stanislas Pili

Stanislas Pili ist ein Schlagzeuger, Performer und Komponist, der auf Sardinien (Italien) geboren wurde. Er bildete sich nacheinander in Schlagzeug (Konservatorium Turin) und Orchesterrepertoire (Konservatorium Maastricht / Santa Cecila Roma) aus, bevor er sich ganz dem Musiktheater und der zeitgenössischen Musik widmete, die er an der Hochschule der Künste Bern studierte. Bei den Darmstädter Ferienkursen 2018 komponierte er in Zusammenarbeit mit Martin Hirsti-Kvam das Stück Silence Resistence, das mit dem Kranichsteiner Musikpreis 2018 ausgezeichnet wurde. Er erhielt auch ein Sonderlob der Jury beim Wettbewerb für zeitgenössische Musik Nicati Open Space 2019. Er hat persönlich mit verschiedenen internationalen Komponist*innen und Künstler*innen wie Simon Steen-Andersen, Alexander Schubert, Michael Maierhof, Brian Archinal, Mark André, Christian Dierstein, Helmut Lachenmann u.a. zusammengearbeitet. Im Jahr 2020 wird er an der IGNM Basel mit dem Nouvel Ensemble Contemporain, in Zürich mit dem Collegium Novum auftreten und am Festival Jardins Musicaux in Cernier eine neue Solistenkreation präsentieren.

Chloé Bieri

Chloé Bieri ist eine Schweizer Sängerin, Performerin und Komponistin, die sich sowohl mit Chanson d’auteur als auch mit zeitgenössischer und experimenteller Musik beschäftigt. Als Performerin hat sie sich auf das Repertoire des Neuen Musiktheaters spezialisiert (Aperghis, Steen-Andersen, Wüthrich, Rebotier…), auf Stimmperformances mit Elektronik (Carlo Barbagallo, Franziska Baumann) und engagiert sich in interdisziplinärer Zusammenarbeit (Ensemble Babel, Collettivo Elettroacustica Torino, Usinesonore). Als Komponistin schreibt sie u.a. für das Ensemble WeSpoke und für ihr Duett mit Marthe Krummenacher (Schweizer Tanzpreis). In ihren eigenen Stücken und Performances (Pour les oiseaux, Regie: Faustine Moret; Avec Orgueil et Honte, Regie: Stanislas Pili; Wifi ) verbindet sie die vokalen Farben von Pop und zeitgenössischer Musik, oft als Kontrapunkt zu elektronischer Musik und Video. Im Jahr 2019 tritt sie beim Festival Acht Brücken in Köln, beim Festival SPOR in Dänemark, bei Music in prossimità in Turin, beim Festival Jardins Musicaux in Cernier, im SMC Lausanne, KGNM Köln usw. auf.

Marie Albert

Marie Albert wird 2015 in das Pariser Konservatorium für zeitgenössischen Tanz aufgenommen, wo sie dem choreografischen Ensemble des Konservatoriums beitritt. Seit sie ihr Stück 1089ème sens geschrieben hat, hat sie ihre eigene choreografische Sprache entwickelt, die sich durch Theatralik, den Einsatz von Stimme und Objekten in einer oft absurden oder poetischen Tonlage auszeichnet. Sie arbeitet regelmäßig mit Musiker*innenn und Komponist*innen wie Scott Rubin und Mathieu Corajod zusammen. Innerhalb des Improvisationskollektivs „les heures perdues“ setzt sie sich leidenschaftlich für Improvisation und die Kreuzung mit anderen Disziplinen ein. Im Jahr 2018 gewann sie den 1. Preis beim Internationalen Tanzwettbewerb in Seoul (Korea) und in diesem Jahr nimmt sie als Tänzerin am Programm Prototyp VI der Royaumont-Stiftung teil.

Pierre Lison

Er wurde 1999 in der Region Paris geboren und trat im Alter von 15 Jahren dem CNSMDP im zeitgenössischen Tanz bei, wo er bei Lehrern wie Edmond Russo, Nathalie Pubellier, Rita Quaglia und Cheryl Therrien ausgebildet wurde. Außerdem verfolgte er mehrere Werke des zeitgenössischen Tanzrepertoires mit Rainer Behr, Julien Monty, Lauren Bolze und Sandra Savin. Außerdem lernt er verschiedene Improvisationstechniken bei Julyen Hamilton und Thomas Hauert, einschließlich der Kontaktimprovisation bei Anne-Catherine Nicoladzé. Gleichzeitig schließt er 2018 seine Ausbildung als Performer mit dem Programm Dialogue der Royaumont-Stiftung ab, wo er die Gelegenheit hat, mit den Choreographen Henrique Furtado und Marinette Dozeville zu arbeiten. Er beteiligt sich an Projekten mit Komponisten wie Alexandre Singier als Autor am CNSMDL und Mathieu Corajod, Komponist am IRCAM. Kürzlich war er an Hervé Robbes neuer Kreation „Danse de 6“ beteiligt.

Antonin Noël

Schon in sehr jungen Jahren entdeckte Antonin Noël das Theater und die Musik, die er seither praktiziert. Er absolvierte eine Schauspielausbildung an der Manufacture – Haute Ecole de Arts de la Scène in Lausanne. Die Vielfalt der Projekte, an denen er während seines Studiums teilnahm, unterstrich seine ausgeprägte Vorliebe für Forschung, kollektive und multidisziplinäre Projekte. Nach dem Erlebnis einer Audio-Fiktion bei Radio Télévision Suisse (Sendung Le Labo, David Collin) wird Tonmaterial zu einem wichtigen Bestandteil seiner Arbeit. Im Jahr 2019 trat er am Théâtre de Vidy, an der Comédie de Genève sowie in Filmen und Lesungen auf, und im Jahr 2020 arbeitet er mit dem Kammerorchester Lausanne unter der Leitung von Gergely Madaras zusammen.